Diversität in der Pflege: Begriffe, die wir kennen sollten

Der Juni gilt als der Queer Monat. Deshalb widmen wir die nächsten Blogbeiträge diesem Thema. Den Auftakt unseres „Diversity Monats“ macht dieser Blogbeitrag, in welchem wir zentrale Begriffe und Abkürzungen im Zusammenhang mit Diversität erklären.

Diversität in der Pflege

Wer in Berlin, Hamburg, Köln oder München lebt, sieht jedes Jahr im Juni und Juli die bunten Regenbogenflaggen, die an Schulen und öffentlichen Gebäuden im Wind wehen. Sie sind das Zeichen der Solidarität und Toleranz mit der Emanzipationsbewegung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und anderen und machen auf die Diversität – also Vielfalt – unserer Gesellschaft aufmerksam. Genauso bunt und vielfältig, wie es unsere Gesellschaft ist, ist die Pflege auch. Wer in der Pflege arbeitet, begegnet pflegebedürftigen Menschen mit den unterschiedlichsten sexuellen Orientierungen, Hautfarben, Religionen usw. Für sie ist eine diversitätssensible Pflege wichtig, die Autonomie und Selbstbestimmung ermöglichen.

Begriffe, die wir kennen sollten

Was bedeutet eigentlich Diversität und welche gängigen Begriffe gibt es im Zusammenhang mit Diversität in der Pflege? Die nachfolgende Übersicht klärt auf, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Allgemeingültigkeit.

Diversität

Diversität (engl.: „Diversity“) wird meist mit „Vielfalt“ übersetzt. Dahinter steckt jedoch viel mehr: Diversity meint den bewussten Umgang mit der Vielfalt in unserer Gesellschaft und dem Anerkennen und Wertschätzen aller Menschen. Den gesetzlichen Rahmen für ein nachhaltiges Diversity Management in der Pflege bietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Mit dem AGG hat der Gesetzgeber eine Grundlage geschaffen, die den Schutz und die Förderung von Diversität sichert. Das AGG trat am 18. August 2006 in Kraft. Es regelt den Schutz vor Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität durch private Akteure (z. B. Arbeitgeber, Vermieter, Anbieter von Waren und Dienstleistungen).

LSBTI und LGBTIAQ*

… ist die Abkürzung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter*. Lesben, Schwule und Bisexuelle fallen in das Spektrum sexueller Vielfalt. Trans* und Inter* in das Spektrum geschlechtliche Vielfalt. Mittlerweile wird LSBTI häufig um die Buchstaben AQ* für asexuell und queer ergänzt.

Gendersternchen*

Das Gendersternchen signalisiert, dass sich hinter einem Begriff eine Vielzahl an Bedeutungen verbirgt. Es verweist zugleich auf die Unschärfe von Definitionen und Begrifflichkeiten.

Gender

Der Begriff „Gender“ kommt aus dem Englischen und meint das soziale Geschlecht („sex“ meint das biologische Geschlecht). Der Begriff bezieht sich damit auf gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse und -vorstellungen: Welche Geschlechter gibt es? Wie werden sie definiert? Welche Rollen und Eigenschaften werden ihnen zugewiesen?

Heteronormativität

Von „Heteronormativität“ spricht man, wenn Heterosexualität, also die Sexualität zwischen Mann und Frau sowie die damit verbundene Zweigeschlechtlichkeit, als Norm behandelt wird.

Heterosexualität

Heterosexualität ist eine von mehreren sexuellen Orientierungen oder sexuellen Identitäten. Als heterosexuell werden Frauen bezeichnet, die ausschließlich Männer lieben und begehren und Männer, die ausschließlich Frauen lieben und begehren. Heterosexualität gilt als Norm. Genau das hat zur Folge, dass Menschen mit anderen sexuellen Identitäten oftmals tabuisiert, diskriminiert oder gar angegriffen werden.

Homosexualität

Homosexuelle Menschen lieben und begehren ausschließlich Menschen des gleichen Geschlechts. Weit verbreitet ist die Bezeichnung „lesbisch“ bei Frauen bzw. „schwul“ bei Männern.

Bisexualität

Bisexuelle Menschen begehren und lieben Menschen unabhängig von deren Geschlecht.

Trans*

Trans* bedeutet, dass ein Mensch sich nicht dem Geschlecht zugehörig fühlt, das sein Körper angibt. Das Sternchen dient dabei als Platzhalter für verschiedene mögliche Endungen und ist ein von der trans*-Community geprägter Sammelbegriff. Er soll der Vielfalt an transgeschlechtlichen Identitäten gerecht werden. Häufig wird der Begriff „Transsexualität“ verwendet. Viele Menschen finden aber, dass der Begriff „Transsexualität“ Sexualität betont, obwohl es um das Geschlecht geht.

Inter*

Überbegriff für unterschiedliche körperliche Geschlechtsausprägungen, die sich einer eindeutigen medizinischen Kategorisierung als „männlich“ oder „weiblich“ entziehen. Intergeschlechtliche Menschen oder Inter* haben Körper, die sich hinsichtlich verschiedener Merkmale nicht eindeutig den anerkannten Geschlechtskategorien „männlich“ und „weiblich“ zuordnen lassen. Häufig wird die Bezeichnung „intersexuell“ verwendet. Mitlerweile werden die Begriffe „intergeschlechtlich“ und Inter* bevorzugt, um zu betonen, dass sich Intergeschlechtlichkeit auf das Geschlecht und den Körper bezieht und nichts mit Sexualität zu tun hat.

Asexuell

… ist das Nicht-Vorhandensein sexueller Anziehung oder Verlangen zu anderen Menschen. Asexualität ist eine gleichwertige Form der Sexualität, wird aber leider oft pathologisiert, d. h. das Nichtvorhandensein sexuellen Begehrens gilt als „krank“.

Queer

Einen weiteren Begriff, den wir im Zusammenhang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt gelegentlich hören, ist queer. Queer beschreibt eine Person, deren sexuelle Orientierung oder deren Geschlechtsidentität von gesellschaftlichen Normen abweicht. Queer kann auch auf Praktiken und gesellschaftliche Positionen verweisen, welche die zweigeschlechtlichen und heterosexuellen Normen in Frage stellen.

Cisgender

… bezeichnet die Übereinstimmung von der Geschlechtsidentität und dem Geschlecht, das einer Person bei der Geburt zugewiesen wurde. Die Beurteilung erfolgt dabei zumeist anhand der sichtbaren körperlichen Geschlechtsmerkmale. Die Übereinstimmung von Geschlecht und Identität bezieht sich nicht auf die sexuelle Identität oder sexuelle Orientierung einer Person.

Weitere Blogbeiträge im „Diversity Monat“ bei anbosa: